Wolken am regionalen Konjunkturhimmel werden dichter

17. Juli 2019
Grafiken: IHK Braunschweig/IHK Lüneburg-Wolfsburg
Region. Die Konjunktur im Wirtschaftsraum Braunschweig-Wolfsburg trübt sich zunehmend ein. Die meisten heimischen Unternehmen sind zwar mit ihrer geschäftlichen Lage noch zufrieden, das Licht weicht aber immer mehr dem Schatten. Das berichtet die IHK Braunschweig in einer Pressemitteilung.

Auch die geschäftlichen Aussichten auf die kommenden Monate verdunkeln sich zusehends. Darunter leiden nicht zuletzt die Beschäftigungsplanungen der regionalen Wirtschaft. Dies alles ergibt sich aus dem gemeinsamen Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Braunschweig und der IHK Lüneburg-Wolfsburg für das zweite Quartal 2019.

Laut der IHK-Umfrage fiel der Konjunkturklimaindikator um sieben Punkte auf einen Stand von 101 zurück. Damit ist er zum vierten Mal in Folge gesunken und rangiert nun erkennbar unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Ihre aktuelle Geschäftslage bewerten die regionalen Unternehmen per Saldo erneut schwächer als im Vorquartal. Allerdings ist nach wie vor die große Mehrheit mit ihrer Lage durchaus zufrieden. So beurteilt ein Viertel der Betriebe seine Lage als gut, knapp zwei Drittel sehen sie immerhin als befriedigend an. Nur jedes zehnte Unternehmen bezeichnet seine momentane Situation als schlecht. In die Tiefe gezogen wird der Konjunkturklimaindikator vor allem durch die sich weiter verschlechternden Geschäftsaussichten. Auch wenn zwei Drittel der befragten Betriebe von einem unveränderten Geschäftsverlauf ausgehen, so überwiegt der Anteil der pessimistischen Prognosen den Anteil der optimistischen Vorhersagen mittlerweile doch merklich.

Industrie und Großhandel im Tief

Besonders eklatant sticht der fortgesetzte Einbruch der Industrie ins Auge, die vor Jahresfrist noch an der Spitze des Konjunkturzugs stand. Im zweiten Quartal gab der Konjunkturklimaindikator für die Industrie nochmals um acht Punkte nach und fiel auf einem Wert von 91 ab. Im Sog der Industrie haben auch die Geschäftsaussichten des Großhandels gelitten, wodurch der entsprechende Klimaindikator bis auf einen Stand von 90 in die Tiefe gerissen wurde. Demgegenüber fiel der Rückgang des Konjunkturklimaindikators für den Einzelhandel, der um fünf auf 110 Punkte sank, relativ moderat aus. Einzig die Dienstleistungsbranche konnte ihr gutes Konjunkturniveau halten. Mit dem um einen Punkt erhöhten Indikatorstand von 122 führt sie derzeit das Feld mit sichtbarem Abstand an. Allerdings sind auch die Dienstleister damit von früheren Höchstständen weit entfernt.

Protektionismus und EU-Krise wirken sich aus

„Es war leider zu erwarten, dass sich die regionale Wirtschaft und insbesondere die Industrie den zahlreichen auf sie einwirkenden Belastungen auf Dauer nicht entziehen kann. Nach wie vor bereitet vor allem das internationale Umfeld erhebliche Sorgen. Die allgemeine weltwirtschaftliche Abkühlung, der zunehmende Protektionismus, die weiter um sich greifenden Handelskonflikte, diverse Embargomaßnahmen, der chaotisch anmutende Brexit und die instabile Verfassung der Europäischen Union machen insbesondere der Exportwirtschaft und den verbundenen Zulieferern schwer zu schaffen“, sagt Dr. Florian Löbermann, Hauptgeschäftsführer der IHK Braunschweig, und ergänzt: „Noch wird die Konjunktur durch eine starke Binnenwirtschaft gestützt. Angesichts stagnierender Investitionsneigung und rückläufiger Einstellungsbereitschaft der Unternehmen muss jedoch damit gerechnet werden, dass die außenwirtschaftlich bedingten Unsicherheiten auf das Inland übergreifen.“

Dem gelte es mit allen Kräften entgegenzuwirken, ergänzt Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg: „Die regionalen Unternehmen benötigen ein noch wirtschaftsfreundlicheres Umfeld. Und da gibt es einiges zu tun. Vor allem die Infrastruktur unseres Wirtschaftsraumes muss konsequent weiterentwickelt werden. Ob es um Breitband, Mobilfunk, Energietrassen, Gewerbeflächen oder Verkehrsinfrastruktur geht: Es muss voran gehen – und zwar schneller als bisher! Mittlerweile entwickeln sich Planungs- und Genehmigungsverfahren zur unendlichen Geschichte. Verzögerungen, wie sie nun erneut beim Ausbau der A 39 auftreten, können wir uns nicht leisten, wenn die Region wettbewerbsfähig bleiben soll. Um den Ausbau wirtschaftsrelevanter Infrastruktur zu beschleunigen, ist eine Reform des Planungsrechts überfällig.“

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