Wendeburger baut Schloss Neuschwanstein aus Sandstein nach

11. November 2019 von
Thomas mit seinem Schloss aus Sandstein. Fotos: Rudolf Karliczek
Wendeburg. Seit mittlerweile über vier Jahren ist der Wendeburger Thomas Doneis dabei, das Schloss Neuschwanstein aus einem 22 Tonnen schweren Sandsteinblock zu meißeln. Und er ist noch lange nicht fertig. Zwischen zwei bis drei Jahren wird er noch brauchen, um sein Projekt zu beenden. Mit der Fertigstellung schließt er auch ein Lebensprojekt ab. Ziel des Ganzen: Mit dem Verkauf will er kranken und hilfsbedürftigen Menschen helfen. Doch die Arbeit hat auch ihre Schattenseiten, wie Donei im Gespräch berichtet.

Jeden Tag von Montag bis Sonntag arbeitet er jeweils acht Stunden an dem Block. Urlaub gibt es keinen. Das sei nicht drin. Über 12.000 Arbeitsstunden sind so schon zusammengekommen. Andere Projekte habe er in den letzten vier Jahren nicht annehmen können. Zu aufwendig ist die filigrane Arbeit, um das Schloss Maßstabs- und detailgetreu wiederzugeben. So wird jeder Wasserspeicher, jede Säule und jedes Fenster nachgebaut. Eine Säule habe dabei einen Durchmesser von etwa drei Millimetern. Fehler? Ausgeschlossen. Ein Fehler und das gesamte Projekt wäre gescheitert. Deswegen müsse er stets konzentriert arbeiten. Einen langen Atem und die Zeit, um das Filigrane umzusetzen, brauche man obendrein. 

Den Sandstein hat Thomas Doneis aus einem Steinbruch in Udelfangen bei Trier. Dort hat er auch den Steinbruchbesitzer kennengelernt, der ihm den Block, der in der Regel rund 60.000 Euro kostet, zur Verfügung gestellt hat, nachdem er von dem Projekt erfahren hatte. Der Transport von Trier bis nach Wendeburg sei ein großer Aufwand gewesen. Die Logistik musste stimmen, Schwertransporte organisiert werden. Doch im August 2015 hat der Block seinen Platz in dem Atelier gefunden. Bei dem Projekt ist er Bauherr, Architekt und Steinmetz in einem. Dabei arbeitet er lediglich mit Fotovorlagen. „Es gibt viele Höhen und Tiefen. Man schwankt zwischen Glücksgefühlen und Depressionen“, so der freischaffende Künstler. Nicht zuletzt spielt hier auch die finanzielle Situation eine Rolle. Denn während seiner Arbeit an dem Block kommt kein Geld für den Lebensunterhalt rein. 

So lebt er derzeit vom Jobcenter. Kosten für Werkzeuge und Heizung fallen an. „Aktuell ist Heizöl ein Problem. Es reicht hinten und vorne nicht“, so der Bildhauer. Um die Werkstatt am Laufen zu halten hat er ein Darlehen von einem Unterstützer bekommen. „Das Darlehen ist über eine viertel Million.“ Und der Schuldenberg werde immer größer. Noch sei das Projekt noch nicht beendet. 

Sein größter Wunsch sei es, dass sein Ziel aufgeht, er Menschen helfen kann und gleichzeitig etwas für die Nachwelt hinterlässt. Gesundheitlich ist er durch die Arbeit mit dem Sandstein angeschlagen. Die Quarze aus dem Stein haben seine Lunge kaputt gemacht. Mit der sogenannten Silikose habe das Berufsbild des Steinmetzes öfter zu kämpfen. Warum er keine Staubmaske trage, werde er immer wieder gefragt. „Eine Staubmaske kann ich nicht so lange tragen. Grade, wenn man sowieso schon schlecht Luft kriegt, bekommt man Beklemmungen darunter“, erklärt er. Ohnehin könne die Maske nicht alles von ihm abhalten. Besser könne er ohne Maske arbeiten. 

Auf Facebook hat er bereits eine kleine Fangemeinde aufgebaut. Zirka 3.800 Mitglieder zählt die Gruppe „Kunst trifft Soziales“. Die Mitglieder kommen aus der ganzen Welt und geben ihm jeden Tag Kraft zum Durchhalten. Für jegliche Art der Unterstützung ist er dankbar. Ob es sich dabei um Heizöl oder Stifte zum Anzeichnen handelt, spiele keine Rolle. „Ich bin froh darüber, dass mich diese lieben Menschen bis zum Ende begleiten wollen“, so Thomas Doneis abschließend.

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