Kinokritik: „Das perfekte Geheimnis“ – Packendes Dialoggewitter

1. November 2019 von
Welche Geheimnisse verbergen eigentlich unsere Smartphones? Dieser Frage geht "Das perfekte Geheimnis" mit unglaublichen Ergebnissen auf den Grund. Foto: Astor Filmtheater / Video: Marvin König
Braunschweig. Das Astor Filmtheater zeigte am Donnerstag "Das perfekte Geheimnis", die neue Komödie der Fack-Ju-Göhte Macher Bora Dagtekin und Lena Schömann. Der Film ist eine deutsche Variante des italienischen Kinofilms "Perfetti Sconosciuti" aus dem Jahr 2016, geht dabei aber eigene Wege und bietet ein imposantes Dialoggewitter, in welchem völlig schnörkellos die dunkelsten Geheimnisse beleuchtet werden, welche die Smartphone-Nutzung so mit sich bringt. Unsere Filmtester verraten, ob sich der Kinogang lohnt!

„Das perfekte Geheimnis“ fällt sicherlich sofort durch seine Starbesetzung auf. Und die ist hier auch nötig – der gesamte Film spielt in nur einer Wohnung und ist vollkommen auf gutes Schauspiel fokussiert. Auf Niedersachsens größter Leinwand im Astor Filmtheater kommen die schauspielerischen Leistungen zur Geltung – nicht nur der komödienerfahrene Elyas M’Barek (Leo), bekannt aus „Türkisch für Anfänger“, „Fack-Ju-Göhte“ oder „Die Welle“, standen für den 111 Minuten langen Film vor der Kamera, auch Tatort-Dauergast Wotan Wilke Möhring (Rocco), Jella Haase (Bianca) und Jessica Schwarz (Eva) ließen für das humorvolle Pärchen-Drama ihre schauspielerischen Muskeln spielen.

Inhalt:

Drei Frauen und vier Männer, Freunde und Partner treffen sich zum Dinner bei einem von ihnen zu Hause. Im Laufe des feuchtfröhlichen Abends diskutiert man auch über Ehrlichkeit und beginnt ein pikantes Spiel. Alle Smartphones kommen auf den Tisch, alle Nachrichten und Anrufe werden geteilt – und manche Geheimnisse und unangenehme Wahrheiten werden offenbart.

Trailer:

Kritik:

Es muss nicht immer Hollywood sein. Das zeigen auch eindrucksvoll die positiven Bewertungen unserer Kinokritiker – obwohl deutsche Filme ja meist kritischer betrachtet werden. Völlig zu Unrecht, wie wir finden. Der ungewöhnliche Film könnte auch ein Theaterstück sein. 111 Minuten spielen quasi vollständig in der Wohnung des Ehepaars aus der Psychotherapeutin Eva (Jessica Schwarz) und dem Schönheitschirurgen (Rocco) Wotan Wilke Möhring. Das perfekte Geheimnis setzt bei der Kindheitsfreundschaft der männlichen Hauptcharaktere an. Was hat sich seitdem geändert? Wie gut kennt man sich? Wissen die besten Freunde mehr, als die Ehepartner? Nachdem die kühl wirkende Eva das pikante Spiel einleitet, läuten die Smartphones auf dem Tisch im Minutentakt und offenbaren Harmloses, Skurriles, Lustiges – bisweilen aber auch Beziehungsgefährdendes und Düsteres. Leo (Elyas M’Barek) und Pepe (Florian David Fitz) tauschen ihre Smartphones, da der vermeintliche Single Pepe und der mit der ebenso vermeintlich gnadenlos korrekten, emanzipierten Karrierefrau Carlotta (Karoline Herfurth) doppelte Vater Leo glauben, damit ihr jeweiliges Gesicht besser wahren zu können. So viel sei verraten – das geht gnadenlos schief. Pepe stellt fest: „Smartphones sind die Flugdatenschreiber unseres Lebens“ – wie wahr!

Trotz der sich immer weiter zuspitzenden Lage in der Münchener Wohnung bietet der Film einen mitreißenden Humor, der trotz der ernsten Thematik den prall gefüllten Kinosaal durchgängig in guter Stimmung halten konnte. Es wurde viel gelacht – teils mit schockiertem Unterton. Einen Kritikpunkt muss sich die Komödie bei seinen Pointen leider gefallen lassen: Manche Gags werden zu sehr ausgereizt, wenn bereits das fünfte Mal ein billiger Lacher aus Vorurteilen über „Emanzen“ und „Schwuchteln“ generiert wird, ist das der intendierten, angehängten Antidiskriminierungs-Message nicht unbedingt zuträglich und wirkt ziemlich unehrlich. Dem Unterhaltungsfaktor versetzt dies aber nur einen minimalen Dämpfer.

Fazit:

Wem guter Dialog wichtiger sind als ein pompös aufgemachtes Szenenbild, wer schauspielerische Leistung, wohldosiertes Drama und spannende Wendungen zu Schätzen weiß, kommt bei „Das perfekte Geheimnis“ voll auf seine Kosten. Der Streifen ist definitiv anspruchsvoll, greift wichtige Themen rund um Datenschutz, Privatsphäre und die vielfältigen Beziehungen zwischen Freunden, Partnern, Eltern, Arbeitskollegen und den eigenen Kindern auf. Auch die Frage, was eigentlich eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Familie ist, greift die Story auf. Und das alles aus der simplen Prämisse, dass Anrufe und Nachrichten auf dem Smartphone allen in der Realität anwesenden Personen vorgelesen, beziehungsweise auf Lautsprecher gestellt werden müssen. Ein ordentliches Pensum, welches das Machwerk von Regisseur und Drehbuchautor Bora Dagtekin fabelhaft in dramatischen Wortgefechten auf die Leinwand zaubert. 

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