Erinnerungen an Reisen über die DDR-Grenze

1. Oktober 2019
Info-Material für Reisen über die Grenze. Foto: Stadtmuseum/Meike Netzbandt
Wolfsburg. Mit einer Auswahl von Broschüren, Merkblättern und Landkarten erinnert das Stadtmuseum im M2K an die Umstände des Reisens in die DDR vor der nun 30 Jahre zurückliegenden Grenzöffnung. Als "Objekte des Monats" wurden sie jetzt präsentiert und bleiben im Oktober in einer speziellen Vitrine im Museumsfoyer als Beispiele für die thematische Bandbreite der umfangreichen Museumssammlung zu sehen. Das teilt die Stadt Wolfsburg mit.

Am 24. Oktober 1989 wurde Wolfsburgs deutsch-deutsche Städtepartnerschaft mit Halberstadt durch die Zustimmung der dortigen Stadtverordnetenversammlung endgültig besiegelt. Damals gehörten die Städte zu zwei Staaten mit unterschiedlichen Gesellschaftssystemen. Sie waren getrennt durch eine scharf gesicherte Grenze, mit der sich die DDR abschottete und die in Ost-West-Richtung fast undurchlässig war. Reisen aus der Bundesrepublik in die DDR waren möglich, erforderten aber bürokratischen Aufwand.

Mit zahlreichen Publikationen informierte etwa die niedersächsische Landesregierung über die historischen Hintergründe der Grenze, die Grenzsicherungsanlagen der DDR, Grenzübergangsstellen und Aussichtspunkte. Das Erscheinungsbild dieser Broschüren wandelte sich, doch schon die Titelbilder machten klar, dass es sich an der „Nahtstelle der Systeme“ um keine normale Staatsgrenze handelte. So zeigt der Umschlag des 1966, fünf Jahre nach dem Bau der Mauer erschienenen Heftes „Zonengrenze Niedersachsen“ eine expressive Stacheldraht-Grafik. Die Broschüre „Deutschland diesseits und jenseits der Grenze“ von 1984 hat ein farbiges Titelfoto mit Grenzpfählen, Zäunen und einem Wachturm, das aus augenscheinlich „sicherer Entfernung“ durch ein Teleobjektiv aufgenommen wurde.

Der „kleine Grenzverkehr“

Ab 1973 gestattete die DDR Einwohnern grenznaher Städte und Kreise der Bundesrepublik Tagesreisen in ihre grenznahen Gebiete. Auch Wolfsburg und Halberstadt lagen in den Regionen, in denen der „kleine Grenzverkehr“ – freilich nur von West nach Ost – möglich wurde. Mit der mehrfach aufgelegten Broschüre „Reisen in die DDR“ informierte das Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen über die nötigen Reisedokumente, Zollvorschriften und den Tages-Mindestumtausch von DM 25 in 25 Mark der DDR, gab Verhaltenstipps und Muster zum Ausfüllen der Einreiseformulare. Außerdem wollte das Ministerium mit einer attraktiv gestalteten Prospekt-Reihe Bundesbürger zu Ausflugstouren im grenznahem Bereich der DDR anregen: Mehrere Faltblätter bezogen sich auf den Ostharz, und natürlich wurde auch Halberstadt mit seinen Sehenswürdigkeiten darin ausführlich vorgestellt.

Die Grenzöffnung am 9. November 1989 nach der friedlichen Revolution in der DDR führte dann sofort zu einem enormen Reiseverkehr in Ost-West-Richtung. Als Service der Landesregierung vornehmlich für Bürgerinnen und Bürger der DDR erschienen nun Straßenkarten der damals noch bestehenden Regierungsbezirke Lüneburg und Braunschweig mit dem Aufdruck „Gute Fahrt in Niedersachsen“. Sie erlebten bis Anfang 1990 in schneller Folge mehrere aktualisierte Auflagen, weil immer neue Grenzübergänge verzeichnet werden konnten. Heute erinnern an wichtigen Straßen über die Landesgrenze braune „Unterrichtungstafeln“ an die Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas.

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