37. Psychiatrietage: Psyche und Soma

22. November 2019
Prof. Dr. Florian Weck (vorne rechts), Universitätsprofessor für klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Potsdam sprach über „Hypochondrie – Eine moderne Behandlungsperspektive“ Foto: AWO Psychiatriezentrum
Königslutter. Frag Dr. Google! – Wer kennt es nicht: Wir haben bestimmte Symptome und forschen im Internet nach, welche Krankheit wir haben könnten. Oder: Wir lesen oder hören von einer beliebigen Krankheit und meinen, die beschriebenen Symptome bei uns selbst zu erkennen. Über diese Entwicklungen berichtet das AWO Psychiatriezentrum in einer Pressemitteilung.

Meist verflüchtigen sich solche Befürchtungen schnell wieder – besonders dann, wenn ein Arztbesuch keinen Befund oder keine Diagnose mit sich bringt. Wenn die Angst vor Krankheiten aber übermächtig wird und sich Betroffene immer intensiver damit beschäftigen, gar Vermeidungs- oder ein ausgeprägtes Sicherungsverhalten an den Tag legen, spricht man von Hypochondrie.

„Cyberchondrie“

Das Referat „Hypochondrie – Eine moderne Behandlungsperspektive“ stand unter anderem bei den 37. Psychiatrietagen auf dem Programm, die erneut an zwei Tagen im Festsaal des AWO Psychiatriezentrum stattfanden. Unter dem Thema „Psyche und Soma“ referierten renommierte Experten vor rund 320 Teilnehmern an den zwei Veranstaltungstagen zu aktuellen Themen der Psychosomatik und Neuerungen in der Diagnostik psychischer Störungen.
Am ersten Veranstaltungstag standen die somatoformen Störungen im Mittelpunkt. So zeichnete Prof. Dr. Florian Weck von der Universität Potsdam ein genaues Bild von den Betroffenen der Hypochondrie auf, sprach über Studien, welche Faktoren zu Erkrankung beitragen können und wie sich eine Psychotherapie auswirkt. Auch die „Cyberchondrie“, die Rückversicherung im Internet, wurde von ihm angerissen.

Kampf zwischen Körper und Psyche

Dr. Paul Nilges vom Schmerz-Zentrum Mainz sprach über „Soma versus Psyche: Schmerzkonzepte und -diagnosen im Wandel der Zeit“ und zeigte dabei auf, dass es in der Schmerzforschung jahrzehntelang einen Kampf zwischen Körper und Psyche gab, einen unhaltbaren Dualismus zwischen Soma versus Psyche. Im Verlauf seines Referates machte Dr. Nilges deutlich, dass es keinen objektiven Schmerz gäbe. „Studien belegten, dass ein identischer Schmerzreiz zum Beispiel, zu ganz individuellen Schmerzempfinden führt.“ Er betonte: „Schmerz ist keine passive Wahrnehmung, sondern eine aktive Leistung des Zentralen Nervensystems. Die Wahrnehmung gelte objektiv und findet immer in einem Kontext statt. Der Kontext ist entscheidend.“

Am zweiten Veranstaltungstag rückten neue Diagnosen in den Fokus. Prof. Alkomiet Hasan von der Universität München gab einen Überblick über die neuen Leitlinien zu Schizophrenie und Prof. Rainer Thomasius vom Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf sprach über die Entstehung, Prävention und Behandlung von Internetsucht.
An beiden Tagen standen die Referenten im Anschluss an die Vorträge für Fragen zur Verfügung, sodass sich ein reger Austausch zwischen Referenten und Teilnehmern ergab.

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