Zerstörte Wahlplakate: Wie sehen das die Parteien?

8. Oktober 2017 von
Was sagen die Kandidaten zu zerstörten Wahlplakaten? Bild: Alexander Panknin
Region. Aufgeschlitzt, ausgestochen, mit schwarzer Farbe entwertet und unkenntlich gemacht - so enden nicht wenige Wahlplakate in den letzten Tagen vor den Landtagswahlen 2017. Ähnlich war es bereits zur Bundestagswahl. Doch ist es überall gleich oder haben nur einzelne Kandidaten Schwierigkeiten in ihrem Wahlkreis? regionalHeute.de hat nachgeforscht.

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Vereinzelt erreichten die Redaktion bereits im Vorfeld Meldungen zu zerstörten Wahlplakaten. Besonders die AfD hat in der Region mehrfach auf das Problem hingewiesen und beklagte teilweise einen besonders hohen Schaden. Wir haben die Kandidaten aller Parteien gefragt, um uns ein Bild zu verschaffen.

Während einzelne Kandidaten ein regelrecht gezieltes Vorgehen vermuten, kommt es bei anderen Parteien nur vereinzelt zu Fällen von Vandalismus. Doch bestimmte Exemplare gleichen beinahe einer Galerie des Horrors. Es ist schon skurril, was manche Menschen umtreibt, schaut man sich die teilweise brutal verunstalteten Plakate an:

Aufgeschlitzt, ausgestochen, mit schwarzer Farbe entwertet und unkenntlich gemacht. An manchen Plakaten haben sich die Randalierer besonders vergangen.

Anzeigen stellen hingegen nicht alle Parteien, zum Teil wollen betroffene Kandidaten auch erst sammeln (regionalHeute.de berichtete). Die Täter zu finden, scheint auch für die Polizei keine leichte Aufgabe zu sein. Kleine Plakate seien für die meisten nicht das Problem (Wert: wenige Euro), aber bei den sogenannten „Großflächenplakaten“ entstehe dann auch ein großer Schaden – der Stückpreis liegt hier bei mehreren hundert Euro. Immerhin: Wahlplakate sind Eigentum der Parteien.

Imke Byl (Grüne) bekam mehrere sehr hässliche Verunstaltungen zu Gesicht:

„Den Namen herauszuschneiden oder zu versuchen die Augen herauszuschneiden, empfinde ich tatsächlich als bemerkenswert und zweiteres vor allem abschreckend.

Da dies bislang in dieser geringen Stückmenge geblieben zu sein scheint und eine Rückverfolgung der möglichen Täter*innen sich wohl sehr schwierig gestalten wird, habe ich von einer Anzeige abgesehen. Sollte sich dies jedoch wiederholen, werde ich die Schäden bei der Polizei melden.“

Sarah Grabenhost-Quidde (CDU) traf es ebenfalls besonders stark:

„Bei mir kam es zu Beschmierungen und zum Diebstahl von den Planen. Die Meshplanen hingen noch nicht mal 24 Stunden und schon wurden drei geklaut und drei beschmiert.

Ich habe es zur Anzeige gebracht. Auch einige Plakate wurden unter anderem in Schladen gestohlen, hier erfolgte keine Anzeige. Ich weiß zwar nicht, was jemand davon hat sich eine 3,50 Meter lange Plane oder ein Plakat mitzunehmen aber es ist schon sehr ärgerlich.

Was ich eigentlich noch viel ärgerlicher finde, sind die Aufkleber an den Verkehrsschildern von „die Partei“. Das ist sinnloser Vandalismus und nicht im entferntesten lustig!

Als Gegenmaßnahme werden wir die Planen auf den Feldern noch einmal aufhängen und durch Wildkameras schützen, außerdem habe ich mein Team sensibilisiert, hier werden wir dann einmal mehr Patrouille fahren.“

Nur einen Tag nach ihrem Statement, schickte uns Sarah Grabenhorst-Quidde eine erneute Mail. In ihrem Dorf wurden gezielt Plakate zerstört, politisch rechte Plakate aufgehangen und Hetzparolen an Scheunenwände gesprüht – auch an die Wand von Grabenhorst-Quidde.

Schäden durch Sturm Xavier

Besonders die großflächigen Wahlplakate wurden am vergangenen Donnerstag vielerorts Opfer der starken Winde (regionalHeute.de berichtete). Ob Xavier hier allerdings einen Unterschied bei den Parteien gemacht hat ist fraglich. Hier half nur, erneut Hand anzulegen:

Philipp Raulfs -Landtagskandidat für den Wahlkreis 6 – beim „Wiederaufbau“. Foto: SPD

Philipp Raulfs (SPD) ist pragmatisch und nimmt Schmierereien mit Humor:

„Tatsächlich verschwinden immer wieder Plakate, liegen herum oder wurden zerstört. Jedoch lässt sich besonders bei stürmischer Witterung und nach dem gestrigen Orkan schlecht sagen, warum nun tatsächlich Plakate auf dem Boden liegen. Im Rahmen eines politischen Wahlkampfs sollen Plakate prägnant und deutlich die Positionen von Parteien und Bewerbern verdeutlichen.

Gestern Nacht haben wir mehrere Stunden zugebracht, umgefallene Großflächenplakate wieder aufzurichten. An einigen Stellen, wo es problemlos möglich war, haben wir dabei auch die Plakate unseres politischen Mitbewerbers wieder aufgestellt.

Was mich als Direktkandidaten betrifft, ist ein Bärtchen auf einem Großflächenplakat bisher die größte Sauerei gewesen, zumal die Ausführung mehr als dürftig war.

Für uns als Partei ergibt sich das Problem, dass durch Herumliegen zerstörter Plakate, Stadt- und Landschaftsbilder beeinträchtigt werden. Wir sind bemüht neben unserem täglichen Berufs- und Familienleben Plakatpflege zu betreiben, sprich: zerstörte Exemplare einsammeln und beschädigte Plakate zu reparieren oder zu ersetzen.“

Das sagen die anderen Kandidaten

Das Wahlkreisbüro Bastian Zimmermann (LINKE) ärgert sich über die CDU:

„Wie in jedem Wahlkampf kam es auch dieses Jahr zu diversen Beschädigungen, diese als gezielte Beschädigungsaktionen zu benennen ist schwierig und auch nicht beweisbar. Die Zahl der Beschädigungen ging wie auch bei den letzten Wahlen leicht nach oben. Eine Anzeige haben wir erstattet, da die CDU ein Plakat von uns beweisbar übergehängt hatte und dieses auch nach Aufforderung nicht entfernt hatte, weitere Vorkommnisse haben wir nicht.“

Matthias Möhle (SPD) will der Polizei keine unnötige Arbeit machen:

„Beschädigungen an Plakaten sind an der Tagesordnung. In der Ortschaft Harvesse sind sämtliche SPD-Wahlplakate ‚verschwunden‘ – es sind am Mittwoch neue Plakate aufgehängt worden, mal sehen….

Der Polizei haben wir diese Vorkommnisse nicht gemeldet – die KollegInnen haben auch anderweitig genug zu tun. Ärgerlich ist die Situation allemal, schließlich fließt ein Großteil des Wahlkampfbudgets meiner Partei in diese Plakate. Uns bleibt tatsächlich nichts anderes, als beschädigte oder verschwundene Plakate zu ersetzen.“

Ralph Bogisch (CDU) wurde bereits bedroht:

„Auch im Landtagswahlkampf bleiben diese Aktionen leider nicht aus. Für meinen Bereich gab es bisher folgende Aktivitäten:

Anonyme Anrufe mit Beschimpfung, Beschädigung meines privaten Wahlkampfbusses, 2 Großflächen wurden umgestoßen, 1 Großfläche in einen Bach geworfen und Diebstahl von Laternenplakaten.

Die Kommentare auf Facebook einschliesslich dem Wunsch, mir ein ‚blaues Auge zu verpassen‚ sind öffentlich einsehbar. Die Vorfälle werden zur Anzeige gebracht.

Offensichtlich vergessen die Akteure, dass es überwiegend privates Engagement der Bewerber ist. Denn gerade die Neubewerber erhalten keine finanzielle Unterstützung der Partei, haben ehrenamtliche Helfer und keine politischen Mitarbeiter und opfern ihre Freizeit.“

Stefan Marzischewski-Drewes (AfD) gegen politische Gewalt:

„Im Kreisgebiet Gifhorn sind seit dem Bundestagswahlkampf mehr als 800 Plakate zerstört beziehungsweise entwendet worden. Es werden teilweise ganze Straßenzüge beziehungsweise Dörfer in einer Nacht abgehängt. Schwerpunkt ist natürlich die Stadt Gifhorn, aber auch Dörfer wie Isenbüttel, Knesebeck, Neudorf-Plattendorf und Meine sind betroffen.

Selbstverständlich haben wir Strafanzeigen gestellt. Die Verlustquote beträgt über 80 Prozent!
Es ist davon auszugehen, daß bei den anderen Parteien darüber klammheimliche Freude herrscht.

Wir können nur die Mitbürger zur Wachsamkeit aufrufen, da es gilt keine Straftaten zuzulassen. Nulltoleranz gegen jede Gewalt und Rechtsbruch ist unsere Devise.“

Immacolata Glosemeyer (SPD) hält den Wahlkampf bislang für fair:

„Während des Bundestagswahlkampfes haben wir mit mutwilliger Zerstörung, sowie Beschmierung unserer Plakate zu kämpfen gehabt und diese teilweise auch zur Anzeige gebracht. Bezüglich der Plakate zur Landtagswahl gab es bisher keine sonderlichen Vorkommnisse.

Der bisherige Wahlkampf lief fair und ohne negative Erlebnisse für uns ab, was mich sehr froh macht.“

Florian Schmidt (FDP) zählt nur vereinzelte Fälle:

„Einige wenige Plakate sind zerstört.

Das Ausmaß hält sich aber in Grenzen. Gezielte Beschädigungsaktionen kann ich daraus nicht erkennen.“

Jürgen Pastewsky (AfD) sieht die Schuld in den Medien:

„Wie in jedem Wahlkampf erleben wir hier auch wieder, dass tolerante Demokraten unsere Plakate beschmieren, beschädigen oder stehlen. Anzeigen sind erstattet, aber es bringt nichts. Die Täter sind nicht zu ermitteln. Wir können die Plakate nicht bewachen, sondern müssen mit diesem Verhalten leben.

Die von den Medien gegen uns gerichteten Angriffe, die und regelmäßig in die rechte Ecke stellen, bilden den Nährboden für dieses Verhalten. Die Täter fühlen sich moralisch im Recht, weil man ja böse Nazis bekämpft. Daher müssten Medien endlich mit der Verteufelung aufhören.“

Lars Alt (FDP) baut auf die Akzeptanz der Bürger:

„Wir haben im bisherigen Landtagswahlkampf noch keine größeren Beschädigungen an unseren Wahlplakaten feststellen können.

Wir hoffen weiterhin auf die Akzeptanz für unsere Plakatwerbung, die auch Gesprächsanlässe für die Bürgerinnen und Bürger bieten soll.“

Christian Schroeder (Grüne) und die Straßenbaubehörde:

„Es gab lediglich einen Fall bei dem die Straßenbaubehörde Schilder entfernte.

Für das Vorgehen hat sie sich allerdings entschuldigt. Es ging in erster Linie um die contra-A39-Schilder.“

Auch die Kandidaten Alexander Saipa (SPD), Kerstin Keil (CDU), Axel Bosse (Grüne), Frank Oesterhelweg (CDU), Frank Hocke (FDP), Dunja Kreiser (SPD) und Jürgen Eggers (LINKE) haben auf unsere Anfrage geantwortet. Bei ihnen sei es allerdings zu keinen nennenswerten Ereignissen gekommen.

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