Junge Mutter startet mit einer Teilzeitausbildung durch

21. April 2017
Die junge Mutter Lydia Feuerhahn (Mitte) startet mit einer Teilzeitausbildung durch. Foto: Agentur für Arbeit
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Helmstedt. Die passende Ausbildung zu finden ist eine große Herausforderung. Noch schwieriger ist es sicherlich als junge Mutter, wenn man Kindeserziehung und Ausbildung vereinbaren muss. Lydia Feuerhahn meistert es mit einer Teilzeitausbildung zur Kauffrau – Dialogmarketing.

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Lydia Feuerhahn sitzt mit ihrer Ausbildungsleiterin Annette Laas am Tisch. Die beiden verstehen sie sichtlich gut, Lydia lächelt: „Ich fühle mich wohl hier. Die Kolleginnen sind sehr nett, die Arbeit macht Spaß, ich lerne jeden Tag viel Neues dazu.“ Die 23-Jährige hat nach ihrem Realschulabschluss ihre heute dreieinhalbjährige Tochter bekommen. Nach der Elternzeit suchte sie eine Ausbildung. „Es war nicht immer leicht. Ich hatte oft das Gefühl, dass man mir als alleinerziehende Mutter gar keine Chance geben wollte. Als ich den Vermittlungsvorschlag für eine Ausbildung bei Invitel von meiner Arbeitsvermittlerin aus dem Jobcenter bekommen habe, habe ich mich direkt beworben.“

„Als Lydia sich bei uns vorstellte, habe ich gleich gemerkt, dass es passte. Sie war sehr engagiert, aufgeschlossen und freundlich. Nach einem Praktikum war es dann für beide Seiten beschlossene Sache: die Ausbildung konnte beginnen. Heute kann ich sagen, dass sie als alleinerziehende Mutter Kompetenzen mitbringt, die man nicht immer bei jungen Menschen findet: sie ist total organisiert, fleißig, verantwortungsbewusst und wissbegierig. Es macht Spaß, mit ihr zu arbeiten,“ macht Annette Laas deutlich. Lydia absolviert ihre Ausbildung in Teilzeit, das bedeutet, dass die Arbeitszeiten mit den Betreuungszeiten abgestimmt sind. So ist die Vereinbarkeit Familie und Beruf für sie realisierbar. „Frau Theis vom Arbeitgeber-Service hat mir die Möglichkeit der Teilzeitausbildung vorgeschlagen und mir die Chancen und Inhalte erläutert. Wir haben das vorher so noch nie gemacht, dennoch fand ich es eine gute Möglichkeit für Lydia, die Ausbildung einfacher zu gestalten. Also haben wir es Lydia vorgeschlagen und sie war begeistert.“

Ausbildungschancen für junge Eltern

Heike Theis, Mitarbeiterin des gemeinsamen Arbeitgeber-Services der Arbeitsagentur und des Jobcenters Helmstedt, erzählt: „Die Möglichkeit der Teilzeitausbildung ist ideal für junge Eltern, die noch keinen Berufsabschluss haben. Es bedeutet, dass die Azubis im Betrieb, je nach Absprache, weniger Stunden arbeiten. An den Berufsschulzeiten ändert sich nichts. Das erleichtert natürlich enorm die Vereinbarkeit zwischen Familie und Ausbildung. Wir freuen uns sehr, dass Invitel diesen Weg mit Frau Feuerhahn geht. Sie sind damit ein Arbeitgeber von sehr wenigen hier in der Region. “
Seit August letzten Jahres lernt Lydia Feuerhahn nun Kauffrau – Dialogmarketing und hat sich schnell in das Team und ihre Berufsschulklasse integriert.

Annette Laas erzählt: „Als ich beim Schulgespräch war, wurde Lydia in den höchsten Tönen gelobt. Ihre Leistungen und ihr Auftreten sind vorbildlich. Das spiegelt genau das wider, was wir auch im Betrieb erleben. Sie bringt als junge Mutter einfach Kompetenzen mit, die für unseren Betrieb sehr wertvoll sind. Wir können nur jedem Arbeitgeber empfehlen jungen Müttern und Vätern eine Chance zu geben, die Teilzeitausbildung kann dabei sehr hilfreich sein!“ Auch Heike Theis appelliert an die Arbeitgeber der Region: „Teilzeitausbildungen sind leider immer noch die absolute Ausnahme. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand: man bekommt junge, motivierte zukünftige Fachkräfte, die meist, wie bei Frau Feuerhahn, auch noch weitere wichtige soziale Kompetenzen mitbringen. Außerdem ist eine familienorientierte Unternehmenspolitik notwendig, um sich langfristig die Fachkräfte für die Zukunft zu sichern. Mit der Teilzeitausbildung soll vor allem jungen Müttern und Vätern die Chance auf eine Ausbildung gegeben werden. Aber auch für Menschen mit Behinderung kann eine Teilzeitausbildung in Frage kommen. Wir würden uns sehr freuen, wenn sich weitere Unternehmen finden würden, die diese Chance ergreifen.“

Unternehmen, die Fragen zur Teilzeitausbildung haben, wenden sich gern an ihren Ansprechpartner im gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit und des Jobcenters Helmstedt. Wer noch keinen Ansprechpartner hat, meldet sich unter der kostenfreie Service Hotline für Arbeitgeber 0800 4 5555 00.

Hintergrund:

Mit der Reform des Berufsausbildungsgesetzes im Jahr 2005 wurde die Möglichkeit der Teilzeitausbildung rechtlich geregelt. Bei der Teilzeitausbildung kann die tägliche oder wöchentliche betriebliche Ausbildungszeit gekürzt werden, wenn ein berechtigtes Interesse vorliegt und zu erwarten ist, dass das Ausbildungsziel in der gekürzten Zeit erreicht wird. Im Ausbildungsvertrag wird ein Zusatz angefügt, in dem die Teilzeitvereinbarung schriftlich fixiert wird.

Folgende Varianten der Teilzeitausbildung gibt es:

  • Teilzeitausbildung ohne Verlängerung der Ausbildungszeit. Die Arbeitszeit einschließlich des Berufsschulunterrichts beträgt mindestens 25 und maximal 30 Wochenstunden.
  • Teilzeitausbildung mit Verlängerung der Ausbildungszeit. Die Arbeitszeit beträgt einschließlich des Berufsschulunterrichts mindestens 20 Wochenstunden
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