Gegen krebserregende HPV wird selten geimpft

22. Dezember 2016 von
Bereits zwei Impfungen könnten Kinder vor Krebs im Kindesalter schützen. Symbolfoto: Nicole Wiedemann
Region. Durch eine einfache Impfung könnten Eltern das Risiko einer frühen Krebserkrankung ihrer Kinder deutlich mindern - doch viele verpassen diese Chance. Gegen humane Papillomaviren wird deutschlandweit nur in 30 bis 60 Prozent eine Impfung bei Mädchen verabreicht.

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„Die Daten werden auf Landesebene nicht erhoben und in Niedersachsen lagen zum Erhebungszeitpunkt keine vergleichbaren Daten vor. Es ist aber davon auszugehen, dass sich Niedersachsen im unteren Drittel befinden wird“, berichtet Dr. med. Konrad Beyrer vom niedersächsischen Landesgesundheitsamt. Viele Eltern verpassen es einfach, die Impfung für ihr Kind zu nutzen. Dabei werden die Kosten der Impfung von der Krankenkasse übernommen. Die Impfung wird als Standardimpfung für Mädchen im Alter von neun bis 13 beziehungsweise neun bis 14 Jahren (je nach verwendetem Impfstoff) mit zwei Dosen im Abstand von sechs Monaten empfohlen. Sie kann bis zum vollendeten 17. Lebensjahr nachgeholt werden.

Impfung bei Mädchen vor dem ersten Geschlechtsverkehr

Die Impfung wird bei den Mädchen vor dem ersten Geschlechtsverkehr verabreicht, um auf diesem Wege bereits vorab eine Übertragung auf Jungen zu vermeiden. Würden Eltern ihre Mädchen zur Impfung bringen, wären ihre Kinder deutlich sicherer vor allen Krebsarten, die durch chronische Infektionen mit humanen Papillomaviren entstehen, unter anderem Gebärmutterhalskrebs, viele andere Tumoren der Geschlechtsorgane, Analkarzinome und ein immer größerer Anteil von bösartigen Tumoren im Mund, im Rachen und im Hals. Wie erfolgreich und sinnvoll diese Impfung ist, erklärt Prof. Dr. Med. Karl-Ulrich Petry, Chefarzt der Gynäkologie des Klinikum Wolfsburgs: „Es ist enorm wichtig, dass man die Kinder so früh wie möglich impft, weil die Impfung im jungen Alter immer noch effektiver ist mit zwei Impfstoffdosen als zum Beispiel mit 16 Jahren und dann drei Dosen. In Wolfsburg haben wir mit 55 Prozent Impfquote eine sehr gute Abdeckung und wir beobachten bereits jetzt einen Rückgang von Genitalwarzen. Nicht auszudenken wären die Erfolge bei höheren Impfquoten“. Dr. Petry zeigt zudem Bedenken an der allgemeinen Wahrnehmenung der Krankheit: „Es ist eine völlig falsche Wahrnehmung, wenn man denkt, dass HPV nur durch Sex übertragen wird. Bereits bei einigen Neun- und Zehnjährigen konnten wir diese Viren nachweisen, ohne dass sie sexuellen Kontakt hatten. Woher die Viren kommen, wissen wir noch nicht. Auch einige Mediziner sind hier schlecht informiert und raten sogar von den Impfungen ab, was völliger Unsinn ist“. Dr. Petry weiter: „Es ist zudem absurd zu denken, dass man durch einen achtsamen und monogamen Lebensstil sicher sei. Wir können bei Frauen ab 30 Jahren bei fast jeder Dritten HPV-Viren nachweisen“.

„Viele Eltern verdrängen dieses Thema jedoch gerne, weil es mit dem ersten Geschlechtsverkehr verbunden wird und das oftmals ein Tabu bleibt“, erklärt Dr. Beyrer. „Die Ärzte klären jedoch bereits im Kindesalter über die Impfung auf, weil das Geschlechtsalter weiter sinkt. Wünschenswert wäre, wenn in Zukunft die Impfung gegen HPV so im allgemeinen Gedächtnis ist wie eine Masern-Impfung und so früh stattfindet wie möglich“.

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