„Fruchtbarer Boden“ birgt Spuren aus der Eisenzeit

9. Februar 2017 von
Matthias Fischer (r.) und sein Team dokumentieren die archäologischen Funde aus der Eisenzeit. Foto: Eva Sorembik
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Süpplingen. Bei den archäologischen Untersuchungen im Vorfeld der Erschließung des Baugebietes „Vor dem Schierpke“ sind Spuren einer Siedlung aus der Eisenzeit entdeckt worden. Diese werden derzeit durch die Firma Arcontor fachgerecht archäologisch untersucht.

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Da die Kreisarchäologie durch frühere Funde im benachbarten Baugebiet vor 15 Jahren konkrete Hinweise auf das Vorhandensein archäologischer Funde gewonnen hatte, hatte die Gemeinde Süpplingen als Maßnahmenträger der Baugebietes die archäologische Fachfirma aus Destedt im Landkreis Wolfenbüttel mit der Sicherung und Dokumentation der Funde beauftragt, berichtet Kreisarchäologin Dr. Monika Bernatzky. Trotz der widrigen Wetterumstände der letzten Wochen kommen die Arbeiten gut voran. Ziel ist es, die archäologischen Untersuchungen vor der eigentlichen Erschließung, die voraussichtlich im März beginnt, abgeschlossen zu haben.

Die dunklen Verfärbungen in dem Lehmboden weisen auf die Pfähle der Häuser, die hier vor rund 2700 Jahren standen, berichtet Kreisarchäologin Dr. Monika Bernatzky. Foto: Eva Sorembik

Das an einem mit Löss bedeckten Südhang oberhalb des Schierpkebaches gelegene Gelände war ausgesprochen günstig für die Ansiedlung einer eisenzeitlichen Gemeinschaft. Der Boden hier sei fruchtbar, berichtet die Kreisarchäologin, für die Siedler damals und die Archäologen heute. Standspuren von Pfosten, eine Vielzahl von Siedlungsgruben, charakteristische Scherben von eisenzeitlichem Haushaltsgeschirr, Holzkohle und verziegelter Lehm sind die Hinterlassenschaften, die im Boden die Jahrhunderte überdauert haben.

„Jede Ausgrabung ist neue Forschung“

Besonders erfreulich sei es, dass erstmals seit den Ausgrabungen im Braunkohlerevier mehrere Hausgrundrisse für die Helmstedter Region rekonstruiert werden können. „Dies ist ein Glückfall“, zeigt sich Bernatzky über die Ergebnisse der Ausgrabung erfreut. „Demnach standen hier in lockerer Streuung rechteckige Gebäude aus jeweils acht Holzpfosten und Lehmwänden. Alle Grundrisse bestehen aus zwei Viererreihen von Pfosten, wobei sich zwei Größen abzeichnen.“ Die größeren Häuser seien zirka 35-40 m² groß, die kleineren 16 bis 20 m². Zwischen diesen wahrscheinlich als Wohnhäuser dienenden Gebäuden finden sich weitere Pfostenstellungen, die zu Speicher- und anderen Nebengebäuden gehört haben. Wie für vorgeschichtliche Siedlungen üblich, findet sich darüber hinaus eine Vielzahl von Gruben, die bis zu 1,50 Meter tief sein können und den unterschiedlichsten Zwecken gedient haben: Lehmentnahme für den Hausbau sowie Vorrats- und Abfallgruben. Auch für Matthias Fischer und sein Team ist die Arbeit auf dem ehemaligen Maisfeld etwas Besonderes: „Jede Ausgrabung ist neue Forschung“, skizziert der Ausgrabungsleiter den Reiz seiner Arbeit.

Geschichtlich einzuordnen ist die Siedlung in die Eisenzeit zwischen 750 bis 650 v. Chr.  Die zeitliche Einordnung ermöglichen vor allem die Scherben des tönernen Haushaltsgeschirrs, die bereits zu Beginn der Arbeiten gesichert werden konnten. Dieses lässt sich zeitlich sehr gut mit der späten Phase der Hünenburg mit den zugehörigen Urnengräbern bei Watenstedt und Beierstedt und einer eisenzeitlichen Siedlung bei Süpplingenburg vergleichen.

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