Autofreie Innenstadt in Helmstedt denkbar?

30. Juni 2017 von
Autofreie Zone in der Helmstedter Innenstadt? Archivfoto: Kreisverkehrswacht
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Helmstedt. Derzeit machen sich Grüne und Sozialdemokraten in Stuttgart für eine Eindämmung des Autoverkehrs im Stuttgarter Stadtkern stark. Deshalb ging regionalHeute.de der Frage nach, ob dies auch zu einem Thema in Wolfsburg werden könnte. Wilfried Winkelmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen, und die FDP-Fraktionsvorsitzende Petra Schadebrodt bezogen Stellung.

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Derzeit wird in Stuttgart eine Debatte darüber geführt, ob angesichts von Schadstoffen künftig Dieselfahrzeuge in der Innenstadt verboten werden sollten oder sogar der Autoverkehr in den Innenstädten gänzlich eingedämmt werden sollte. Nach Vorstellung der SPD und der Grünen soll die Innenstadt von Stuttgart komplett „autofrei“ gestaltet werden. Zu einem Ausschluss von Dieselfahrzeugen vertreten Winkelmann und Schadebrodt ähnliche Positionen. Laut Winkelmann sei die Situation hinsichtlich der Schadstoffbelastung durch den Kraftfahrzeugverkehr von Stuttgart mit der von Helmstedt nicht vergleichbar. Daher sei er nicht dafür, Dieselfahrzeuge aus der Helmstedter Innenstadt komplett zu verbannen. Auch Schadebrodt stellt klar: „Komplett-Verbote halte ich für Komplett-Unsinn. Wir benötigen die Umsetzung neuester technischer Standards und Methoden, um des Schadstoffproblems Herr zu werden. Es ist keine Lösung, Dieselfahrzeuge aus den Innenstädten zu verbannen. Vor allem die Politik muss hier dringend Planungssicherheit schaffen – und die ist hier nicht gegeben; vielmehr wäre die angesprochene Regelung für Dieselfahrzeuge ein Schlag ins Gesicht für alle, die noch im Jahr 2015 einen Euro-5-Diesel gekauft haben.“

Zwar lehnt Winkelmann ein komplettes Auto-Verbot ab, doch setze sich die grüne Stadtratsfraktion für eine mehr menschengerechte und weniger autogerechte Innenstadt ein. Winkelmann: „So könnte ich mir sehr gut eine Verlängerung der Fußgängerzone bis zum Papenberg und eine Verringerung der Parkplätze auf dem Holzberg vorstellen.“ Schadebrodt wird bei ihren Ausführungen deutlich: „Komplett-Verbote sind kompletter Unsinn, diese rot-grüne Idee halte ich für völlig überzogen. Autofahren darf nicht verteufelt oder verboten werden. Im Gegenteil: diese Art der Mobilität brauchen wir in einer flexiblen und modernen Gesellschaft, auch unter demografischen Gesichtspunkten. Neben der Nutzung neuer technischer Möglichkeiten für den Autoverkehr bin ich allerdings auch dafür, den ÖPNV, das Carsharing und das Radfahren in den Städten so attraktiv wie möglich zu gestalten – umso mehr Menschen werden diese Art von Mobilität auch gerne nutzen, zumal bei der jüngeren Generation das eigene Auto kein Prestigeobjekt mehr ist.“ Gerade in Kleinstädten wie Helmstedt sollten sich die Bürger/innen bewusst sein, dass auch – neben dem Zufußlaufen – das Taxifahren eine durchaus attraktive Alternative gegenüber den Kosten für ein (Zweit-)Auto darstellen könne.

Welche Vor- und Nachteile gäbe es?

Auf Vor- und Nachteile eines kompletten Auto-Verbots angesprochen, gibt Winkelmann zu bedenken, dass es definitv ein Nachteil wäre, wenn Parkplätze wie zum Beispiel auf dem zentralen Parkplatz Holzberg und Parkgebühren wegfallen würden. Doch fügt er an: „Den größten Vorteil sehe ich darin, dass sich die Helmstedter Einwohner und Einwohnerinnen sowie die Gäste der Stadt ohne Abgasschwaden und ohne auf den PKW-Verkehr achten zu müssen, frei in der Innenstadt bewegen könnten.“ Außerdem könnten die frei werdenden Flächen für andere Aktivitäten genutzt werden, was seines Erachtens besser in die Historische Altstadt im Vergleich zu den „Blechlawinen“ durch die PKW passen würde.

Schadebrodt hingegen sieht keinerlei Vorteile: „Gegenüber der jetzigen Regelung sehe ich für Helmstedt keinerlei Vorteile, zumal wir gar keine Notwendigkeit für eine solche Einschränkung der individuellen Mobilität haben. Hingegen würde die Innenstadt einen massiven Frequenzverlust erleben, da sehr viele Menschen einfach gerne mit dem Auto in unsere Innenstadt fahren. Mit einem Autoverbot für die Innenstadt würde man auch einen grundsätzlichen, strukturellen Nachteil per Gesetz „verordnen“, was die Erreichbarkeit von Handel, Gastronomie und allen anderen Unternehmen in der Innenstadt anbetrifft – und das geht gar nicht.“ Es reiche schon, wenn Gewerbetreibende in der Innenstadt gegenüber der „Grünen Wiese“ am Stadtrand benachteiligt würden, was die Vorschriften bezüglich der Bereitstellung von Parkplätzen anbetreffe.

Busangebot sollte attraktiver gestaltet werden

„Darüber hinaus: Um möglichst gute und umweltfreundliche Alternativen anzubieten, bin ich dafür, das Radfahren innerhalb der Stadt zu fördern und die finanziellen Sondermittel des RGB auch für unseren ÖPNV (Helmstedt ist Mittelzentrum) einzusetzen, um das Busangebot innerhalb der Stadtgrenzen und im Landkreis attraktiver zu gestalten“, so Schadebrodt abschließend.

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